Shopping Center

PlusminusWer diesen knapp 8-minütigen Beitrag in der ARD gesehen hat – oder sich über folgenden Link noch anschaut:
„Einkaufszentren – Beleben überdachte Center die Innenstädte?“ in ARD, PlusMinus der braucht diese Seite schon fast nicht mehr zu lesen.
Nach diesem Filmbeitrag und der Lektüre der vielen kritischen Veröffentlichungen (siehe Linktipps) erscheint es uns unbegreiflich, dass eine Erweiterung der City-Arkaden überhaupt noch ernsthaft diskutiert wird.

Noch mehr Infos über Shopping-Center:

Ein Einkaufszentrum ist eine bewusst konzipierte räumliche Konzentration von Einzelhandelsgeschäften und Dienstleistungsbetrieben unterschiedlicher Branchen und gegebenenfalls anderen Angeboten wie Fitnesszentren oder Kinos. In Anlehnung an die US-amerikanische Definition des shopping centers ist ein Einkaufszentrum eine „als Einheit geplante, errichtete und verwaltete Agglomeration von Einzelhandels- und Dienstleistungsbetrieben“. Hiervon zu unterscheiden sind die „gewachsenen“ Agglomerationen (gelegentlich auch Einkaufparks) ohne einheitliche Konzeption und ohne eigenes Center-Management. So steht es bei Wikipedia.

Und wer hat’s erfunden?

Shopping Center moderner Bauart wurden zunächst von dem renommierten Architekt Victor David Grünbaum entwickelt. Grünbaum wurde 1903 in Wien geboren, wanderte aufgrund seiner jüdischen Herkunft 1938 in die USA aus und nannte sich fortan Victor Gruen. Dem Architekten gefielen die langweiligen amerikanischen Vorstädte nicht. Deshalb wollte er mit Shopping Malls neues Leben in die Stadt bringen – eben so, wie er es in europäischen Städten schätzte. 1954 eröffnete die erste Mall in Minneapolis.
1973 kehrte er nach Wien zurück – und hatte die Idee, das amerikanische Konzept zurück nach Europa zu tragen. Doch als er später die Folgen sah, war er nicht mehr seiner Meinung: Auch wenn seine Shopping Center in den USA funktionierten, wuchs in ihm die Erkenntnis, dass sie gleichzeitig die traditionell gewachsenen Innenstädte zerstörten. Mehr noch: Sie erschienen ihm nun als Ausgeburt der Scheußlichkeit. Zu spät.

Walter Brune – vom Saulus zum Paulus

Der Düsseldorfer Architekt Walter Brune führte dann Gruens Werk fort – machte jedoch wenig später die gleiche Erfahrung: Zunächst errichtete er 1972 das Rhein-Ruhr-Zentrum in Mülheim und musste feststellen, dass die Innenstadt Mülheims nach kurzer Zeit verödete. Er wandelte sein Konzept und versuchte nun, „Galerien“ direkt in die Innenstädte zu pflanzen. Keine Center, die die Angebote überflüssig machen, sondern Malls, die das Spektrum ergänzen: Die Düsseldorfer Kö-Galerie zum Beispiel.

Doch auch diesen Projekten kehrte er schließlich den Rücken, da er erkennen musste, dass bis auf wenige Ausnahmen auch diese künstlichen überdachten Einkaufsklötze die Innenstädte ruinierten: Heute sagt er: „Politiker machen Städte, die in 1000 Jahren entstanden sind, in wenigen Jahren kaputt.

Und er sagt es nicht nur leise, sondern initiierte ein lautes Buch darüber: Angriff auf die City!

„Angriff auf die City“ –
das Buch über die Hintergründe der Center-Planung

In diesem Buch entlarvt Walter Brune, selbst Fachmann und langjähriger Entwickler von Shopping Centern, die Tricks und Machenschaften der Center-Planer, ganz vorn die ECE. Es nimmt nicht Wunder, dass genau diese ECE alle Hebel in Bewegung setzte, das Buch verbieten zu lassen.
Am 28. Juni 2007 lehnte das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg jedoch den Berufungsantrag der ECE GmbH & Co.KG auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen das Buch „Angriff auf die City“ ab. Somit behalten die Darstellungen des Buches über die Konzeption, Planung und Umsetzung von Großeinkaufszentren weiterhin Gültigkeit. Und noch mehr: Die Kritik wird dadurch untermauert, dass neuerliche wissenschaftliche Studien die in dem Buch getroffenen Aussagen stützen.

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Shopping Center und Kritik, Beispiele

Heilbronn:
Gegen das in der Bürgerschaft wegen seiner Dimensionen umstrittene Projekt wurden mehr als 10.000 Unterschriften gesammelt – trotzdem wurde am 5. März 2008 eröffnet.

Oldenburg
In Oldenburg wurden am 16. März 2011 die Schlosshöfe eröffnet. Die Planungen für das Einkaufszentrum führten unter anderem dazu, dass der amtierende Oberbürgermeister abgewählt wurde und eine Ratskoalition zerbrochen ist.

Leer
„Unter dem Slogan „Leer bleibt Leer“ wehrten sich die Bürger drei Jahre lang gegen die Pläne der ECE. Im Juli 2012 hatte dann auch der Stadtrat von Leer ein Einsehen: Nach dem Ratsbeschluss musste der Investor unverrichteter Dinge nach Hause gehen.

Koblenz
Gemeinsam mit der Strabag hat neben dem von ihr betriebenen Löhr-Center mit dem Forum Mittelrhein ein zweites Einkaufszentrum errichtet. Der Widerstand gegen dieses Vorhaben mit der Sammlung von mehr als 20.000 Unterschriften hatte bei den Kommunalwahlen 2009 dazu geführt, dass die BIZ – Bürgerinitiative Zukunft für Koblenz e.V. in den Stadtrat gewählt wurde. Gleichwohl beschloss der Rat der Stadt Koblenz die Weiterführung dieses Projekts, dessen Eröffnung am 26. September 2012 stattgefunden hat.

Celle
In der Innenstadt/Altstadt war ein ECE-Projekt geplant, das von Teilen des lokalen Einzelhandels ebenfalls abgelehnt wurde: in vielen Schaufenstern Celles fand man entsprechende Protestplakate. Nach den Kommunalwahlen im September 2006 wurden die Pläne aufgegeben.

Mollis (Kanton Glarus), Schweiz
In Mollis (Kanton Glarus) soll in einer ausgesprochen ländlichen Umgebung ein Einkaufszentrum mit 36.000 m² Ladenfläche entstehen. Es wäre aktuell das fünftgrößte der Schweiz. Dagegen manifestierte sich erhebliche lokale Opposition, u. a. mit zwei Unterschriftensammlungen und einer Motion im Parlament des Kantons Glarus. Der Verkehrs-Club der Schweiz bekämpft das Projekt auf dem Rechtsweg.

Jena
Die Jury im Investorenwettbewerb befürwortete die Pläne der ECE ausdrücklich nicht, doch die Jenaer Stadtverwaltung setzte sich über dieses Votum hinweg. Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter ist Mitglied in der Stiftung Lebendige Stadt, einer Stiftung, die vom ECE Geschäftsführer Alexander Otto gegründet wurde.

Hameln
Hier wurde im Frühjahr 2008 der 19.000 m² große Einkaufspalast „Stadt-Galerie“ eröffnet – mitten in der vom Fachwerk geprägten Innenstadt – die der Region mit fast 100 Geschäften 800 Arbeitsplätze sichert. Dieses Projekt ist städtebaulich und in seiner architektonischen Qualität umstritten und wurde 2011 wegen des stattfindenden Verdrängungswettbewerbs in der Innenstadt kritisiert.

(Die Liste ist noch lange nicht vollständig und wird laufend ergänzt.)

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Ein Kommentar zu “Shopping Center

  1. Die Planungen sind wegen der städtbaulichen Fragestellungen ein Thema sowohl für den Einzelhandel als auch für die Wuppertaler Bürgerinnen und Bürger .

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