„Am besten am Zoo einen Staudamm bauen…“

k_P1030517Diese – zugegebenerweise nicht ganz ernst gemeinte – Idee, Wuppertal in einem Stausee untergehen zu lassen, stammte von einem Architekten in Ruhestand:
„Ich habe hier in Wuppertal schon so oft versucht, sinnvolle Ideen zu diskutieren. Doch mit gescheiten Konzepten hat man hier ja keine Chance!“

k_P1030523kViele Wuppertaler Bürger ließen am Infostand des Aktionskreises Die Wuppertaler ihrem Frust über die Wuppertaler Lokalpolitik freien Lauf. Die Empörung richtete sich gegen die Erweiterung der City-Arkaden „Wozu brauchen wir noch mehr Einkaufsmöglichkeiten?!“ oder „Wir hier in Wuppertal haben ganz andere Probleme!“ und gleichermaßen gegen die zusätzlichen 35 Millionen für den Döppersberg-Umbau:

k_P1030527„So könnte ich als privater Bauherr nicht planen. Da hätte mir die Bank längst den Hahn zugedreht. Aber die in der Verwaltung haben ja uns Bürger, die die Zeche zahlen!“

Ob City-Arkaden oder Döppersberg – „die Politik in Wuppertal entscheidet völlig an den Interessen der Bürger vorbei“, so war der durchgängige Tenor fast aller Stellungnahmen.
Die Konsequenz: „Ich freu’ mich schon auf die nächste Kommunalwahl!“

Nicht ganz so groß schien die Freude bei Mitgliedern des Rates der Stadt Wuppertal, die uns ebenfalls besuchten. Ihnen ging es jedoch nicht darum, unsere Meinung zu hören, sondern eher darum, uns die Meinung zu sagen. Aber auch dies ist erlaubt.

jung-braucht-geldEine Politik, die nicht gradlinig die viel zitierten „Stuttgarter Verhältnisse“ anstrebt, wäre gut beraten, einmal inne zu halten. Wuppertal kocht. Und es wäre sinnvoll, diese vielen Stimmen ernst zu nehmen, anstatt Bürgermeinungen und die Berichterstattungen in der WZ oder bei Radio Wuppertal als „populistische Meinungsmache“ herabzuqualifizieren und die eingeschlagene Linie mit Augen-zu-und-durch-Mentalität „alternativlos“ als gottgegeben darzustellen. Wenn man es will, gibt es für alles eine Alternative.

Doch viele Besucher am Infostand meinten: „Die machen sowieso, was sie wollen.“
Und – an uns gerichtet: „Wir finden es gut, dass Sie sich engagieren. Aber: Glauben Sie wirklich, dass Sie daran was ändern können?“

Gute Frage. Aber wenn wir dies nicht glauben würden, dann würden wir uns die ganze Arbeit nicht machen. Und für unseren Optimismus gibt es einen guten Grund: Nahezu alle wünschten uns sehr ernsthaft für unsere Arbeit „Viel Erfolg!“

Naja – und wenn’s nicht funktioniert, gibt es ja immer noch die Idee mit dem Stausee: Die neue Wupper-Talsperre als Naherholungsgebiet für Düsseldorf und das Ruhrgebiet? Eigentlich auch eine Lösung 🙂

 

… und der Bericht in der WZ

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3 Kommentare zu “„Am besten am Zoo einen Staudamm bauen…“

  1. „Ich freu’ mich schon auf die nächste Kommunalwahl!“

    Aja? Und wen will man da bitte wählen? Alle Parteien sind doch für den neuen Döppersberg. Außer der Linkspartei. Naja… ob die Linken Wuppertal wirklich so gut tun würden? Aber vllt. wird die Stadt dann ja sogar in Friedrich-Engels-Stadt umbenannt. Schon Jospeh Goebbels wollte ja in den Zwanzierjahren aus der Stadt ein „Mekka des Sozialismus“ machen. Er lebte damals in der Südstadt. Dann plädiere ich auch lieber für eine Flutung des Mucker-Tals. Mal so nebenbei, der Spruch „Der Platz am Kolk gehört dem Volk“ stammt doch auch aus der untersten Mottenkiste der Dichtkunst, oder?

    Früher war unsere Stadt bekannt dafür, dass sie innovative Dinge erfand, bzw. diese hier erstmals in Erscheinung traten. Heute gibt es nur noch Bremser und Dauernörgler. Einerseits moppert der Wuppertaler darüber, dass sich nichts in seiner Stadt tut. Tut sich aber mal was, ist das auch nicht gut. Bei der Erweiterung der City-Arkaden habe ich auch Bedenken, aber beim Döppersberg teile ich die Einschätzung von Peter Jung! Wem nutzt denn eine sanierte Jakobstreppe, wenn der Hauptbahnhof+Umfeld aussieht als läge er im tiefsten Albanien?

    Das Gejammere der Elberfelder Einzelhandels nervt einfach. Jahrelang nix gemacht und jetzt hat man Existenzängste…

    • Sehr geehrter Herr Fuchs,

      mit Sicherheit waren Sie noch nie in Albanien! Aber auch zugegeben, daß Hbf und Umgebung kein Schmuck für Wuppertal sind, wird doch erst bei Umkehrung Ihrer Argumentation ein Schuh daraus.

      Zu den ursprünglichen Kosten war ich auch für den Döppersberg-Umbau, aber bei Abwägung, weitere 35.000.000 Euro für ein Projekt, das auch damit nicht zu finanzieren ist, und die Infrastruktur im Rest der Stadt sieht demnächst aus, als wäre man im tiefsten Albanien – oder die Jakobstreppe und einige andere jahr(zehnt)elang vernachlässigte Treppen und Brücken werden saniert, ist eine schlüssige Entscheidung ganz einfach: eine sanierte Jakobstreppe z.B. nutzt allen Wuppertalern und ihren Besuchern, die sich damit einen anstrengenden Umweg ersparen, völlig egal, was mit dem Hbf passiert. Ein saniertes Hallenbad in Vohwinkel hätte die Gesundheit aller Wuppertaler Schwimmfreunde gefördert, Zuschüsse für die Schulsozialarbeit langfristig die Sozialstruktur in der Stadt gestärkt, usw. usf. Der Döppersberg-Umbau dagegen ist nur ein – höchst riskanter – Wechsel auf die Zukunft, der zunächst einmal nur den mehrheitlich ortsfremden Baufirmen zugute kommt. Ihn in der geplanten Form als „alternativlos“ auszugeben, desavouiert die „Viererbande“ (Jung, Slawig, Müller, Reese) und ihre Claqueure in der Stadtverordnetenversammlung.

      Wer unter den eingetretenen neuen finanziellen Um- und Mißständen eine Alternativlösung fordert, ist kein Nörgler, sondern ein billig und gerecht denkender Bürger, der die egomane Verantwortungslosigkeit der Stadtspitze im letzten Moment zu bremsen versucht!

      • Wie soll diese Alternativ-Lösung denn aussehen, Herr Zengerling?

        Bedenken Sie bitte, dass das Projekt Döppersberg massiv mit Landesmitteln bezuschusst wird. Diese Mittel werden jedoch nicht fließen, wenn das Projekt abgesagt würde. Beziehungsweise der bereits gezahlte Anteil müsste sogar zurück bezahlt werden. Das hieße dann nicht nur, dass der Stadt einiges an Geld durch die Lappen gehen würde, sondern dass das Projekt Döppersberg wieder bei Null anfangen wird. Planungen, Ausschreibungen, Baumaßnahmen, etc. Das hieße wiederum, dass wir uns dann wohl so in zirka 20 Jahren auf eine abgespeckte Version des Döppersbergs einstellen könnten. Bis dahin ist der häßliche und anachronistische Tunnel Döppersberg (zurecht seit Jahren als „Harnröhre“ bekannt) eine regelrechte Bauruine. Da hilft auch kein Eimer Farbe und ordentlich durchputzen mehr etwas! Wie es so manche „schlauen Köpfe“ in Wuppertal fordern. Abgesehen davon, was würde aus dem Loch am Hauptbahnhof, was aus dem halb abgerissenen Vorbei des Bahnhofs…

        Dass ortsfremde Baufirmen herangezogen werden, resultiert meines Wissens aus dem Europa-Recht und ist leider überall bei öffentlichen Bauaufträgen in Deutschland üblich. Schön finde ich diese Tatsache auch nicht, zumal es sinnvoll wäre das Geld für die heimische Wirtschaft auszugeben, aber es muß ja die günstigste Firma in der EU genommen werden. Ob diese kurz vor der Insolvenz steht oder nicht. Daraus dem Oberbürgermeister (man sollte hier nicht von „Bande“ sprechen, es handelt sich schließlich um unserer demokratisch gewähltes Stadtoberhaupt!) und seinen Mitarbeitern einen Strick zu drehen, halte ich für falsch. Und selbstverständlich ärgere ich mich auch über die Mehrkosten. Aber dennoch stelle ich nicht das Projekt in Zweifel. Da ich tagtäglich mit eigenen Augen sehe wie notwendig es für Wuppertal ist!

        Die Schwimmbad-Flut der Wirtschaftswunderzeit ist nun einmal heute nicht mehr finanzierbar. Auch in Düsseldorf, Köln und anderen deutschen Städten wurden Schwimmbäder geschlossen. Natürlich ist das schade! Aber das Wirtschaftswunder ist lange vorbei und man hat es leider versäumt in guten Zeiten Geld auf die Seite zu legen. In den 1960ern konnte es ja nicht teuer genug sein. Die Jakobstreppe mag relativ wichtig für die Leute an der Nützenberger Straße sein, aber ein attraktiver Hauptbahnhof ist wichtig für nahezu alle Bürger der Stadt, ihrer Gäste, Besucher und Investoren. Ich würde mich übrigens – als Investor – auch abgeschreckt fühlen, wenn ich an einem so entsetzlich häßlichen Bahnhof ankäme oder ihn sehen würde. Oder wenn ich sehe, wie sehr in Wuppertal gegen alles Neue opponiert wird.

        Um eine Stadt wieder auf die Beine zu bekommen, muß man die Förderung meines Erachtens auf die Innenstadt fokussieren. Dazu gehört der Hauptbahnhof und eine attraktive Innenstadtgestaltung, attraktive Einzelhandelsangebotsflächen, ein florierendes Kneipenviertel und auch ansprechend schöne Hausfassaden. Dazu müsste aber auch der Einzelhandel mitmachen und nicht immer nur jammernd seinen Kopf in den Sand stecken! Denn je unattraktiver die City wird, desto wahrscheinlicher wird auch die City-Arkaden-Erweiterung! Oder die Abwanderung der Kundschaft nach Essen, Düsseldorf oder Köln.

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