„Die Stadt gehört uns“ – Flashmob auf dem Platz am Kolk

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Am Samstag, den 22. Juni 2013, vermittelten 70 engagierte Bürger Wuppertals einen  ersten Eindruck, wie sich der Platz am Kolk durchaus auch für eine lebendige Nutzung eignet.
Begleitet vom Beifall der Glocken der Alten lutherischen Kirche am Kolk versammelte sich ein bunt-gemischter Flashmob mit Sonnenhüten, Büchern, Tennisschlägern, Frisbee-Scheiben, Fahrrädern und diversen Musikinstrumenten und zeigte, dass es außer Shopping noch jede Menge anderer Möglichkeiten der Freizeitgestaltung gibt. Perfekt ausgestattet präsentierte sich auch Bundestagsabgeordneter Dr. Hermann Ott mit sportlicher Brille, Sonnenblumen, Gießkanne und grüner Picknickdecke.

 

 

Und noch ein paar Fotos:

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„Die Innenstadt wird nicht mehr Begegnungsfläche sein!“

Screenshot_Lokalzeit_ 5-6-2013Im Bericht der WDR Lokalzeit Bergisches Land vom 5. Juni 2013 äußerte sich Haimo Bullmann, Vorsitzender des Regionalverbandes Wuppertal  Solingen, Remscheid des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz zur Erweiterung der City-Arkaden: Den Wettbebewerb der Städte um Verkaufsfläche nennt er „kommunales Raubrittertum“.
Im anschließenden Interview betont Stadtplaner Rolf Junker, dass man die Steuerung solcher Projekte nicht den Investoren überlassen darf: „Die Stadt sollte die Hosen anhaben!“
Sehen Sie hier den gesamten Bericht!

„Für Wuppertal nur das Beste!“

Informations- und Diskussionsveranstaltung am 6. Juni 2013
mit spannenden Denkanstößen und neuen Perspektiven.

„Ist die Erweiterung der City-Arkaden gut für Wuppertal?“ – so lautete die zentrale Fragestellung der Veranstaltung, zu der die Initiative Die Wuppertaler am gestrigen Abend in die Alte lutherische Kirche am Kolk eingeladen hatte.
Gut 400 Menschen wollten am gestrigen Abend wissen, zu welchen Einschätzungen die Referenten Haimo Bullman, Monika Walther, Wilhelm Achelpöhler, Dr. Winfried Tackenberg und Professor Klaus Schäfer der Hochschule Bremen kommen würden.
Erklärtes Ziel des Abends war, eine bislang vielfach emotional geführte Diskussion zu versachlichen und mit fundierten Argumenten zu bereichern. Dabei dokumentierten die Veranstalter ihr ausdrückliches Interesse, die Auseinandersetzung um diese Thematik auf eine möglichst breite Basis zu stellen: „Egal, ob Befürworter oder Gegner – ich denke wir sind uns einig: Wir wollen alle für Wuppertal nur das Beste!“ so Anke Schulz, Inhaberin der Schneiderei Burscheid und Mitbegründerin der Initiative Die Wuppertaler in ihrer Eingangsmoderation.
Dafür, dass die Diskussion in Zukunft weitaus sachlicher und facettenreicher geführt werden kann, sorgte nicht zuletzt auch das breite Spektrum kompetenter Redner.

„City-Arkaden dürfen nicht isoliert betrachtet werden!“
Den Anfang machte Haimo Bullmann. Der Vorsitzende des Regionalverbandes Wuppertal, Solingen, Remscheid des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz erläuterte die Notwendigkeit, ein Projekt wie die City-Arkaden im Zusammenhang mit vergleichbaren Projekten im Umfeld zu beurteilen. Als sachkundiger Bürger Wuppertals präsentierte er eindrucksvoll elementare Kennzahlen zu den langfristig geplanten Einzelhandelsflächen in Wuppertal und Umgebung1.
Er forderte einen Masterplan durch unabhängige Fachleute mit einer inhaltlichen Beteiligung Wuppertaler Bürger an der Gestaltung der Innenstadt. Sein Schlussappell: „Wir fordern die Stadt auf, alle Bauleitpläne für großflächige Einkaufszentren ruhen zu lassen, bis die Ergebnisse des Masterplans vorliegen!“

Mögliche Konsequenzen der geplanten Erweiterung
Diplom-Ökonomin Monika Walther, Autorin der viel beachteten Studie „Auswirkungen von Shopping Centern auf die gewachsenen Strukturen der Zentren“ der HafenCity Universität Hamburg, zeigte, dass sich ihre Erkenntnisse auch auf die Situation in Wuppertal übertragen lassen: Eine Verbesserung der Stadt Wuppertal durch die Vergrößerung der City-Arkaden sei auch aus wissenschaftlicher Sicht nicht zu erwarten.
Langjährige Fallstudien machen deutlich, dass ein Zusammenhang zwischen innerstädtischen Shoppingcentern und einer positiven Stadtentwicklung nicht nachzuweisen ist. In der nachfolgenden Diskussion stellte sie heraus, dass Wuppertal die bestehenden City-Arkaden gerade verkraftet habe, und nach ihrer Einschätzung weitere Verkaufsflächen für Wuppertal absolut überdimensioniert wären.

Das Spektrum juristischer Handlungsmöglichkeiten
Weit weniger trocken, als man es von einem Juristen erwarten würde, referierte Rechtsanwalt Wilhelm Achelpöhler über rechtliche Aspekte des Vorhabens. In lockerem Ton schilderte er, wie in Münster ein Einkaufscenter erfolgreich verhindert wurde – und das, obwohl der Investor ECE dem Fußballverein Preußen Münster gleich ein neues Fußballstadion bauen wollten. Nicht verkneifen konnte er sich dabei, auf die vergleichbar desolate sportliche Entwicklung der Fußballvereine der Stadt zu verweisen. Achelpöhler schilderte die Vorgehensweise der Investoren, mit täuschenden Gefälligkeitsgutachten zur Verträglichkeit zu argumentieren und warnte vor einer allzu kurzsichtigen Vorgehensweise der politischen Entscheider: „Jede Stadt, die ein Center plant, rechnet damit, dass nunmehr allein die eigene City der Magnet für das ganze Umland ist. Diese Prognosen gleichen in ihrer Qualität denen für Regionalflughäfen.“

Durch die Brille des Investors
Der Mann aus der Praxis, Investor und Centermanager Winfried Tackenberg präsentierte anhand seiner Heimatstadt Viersen ein Beispiel dafür, dass es auch ohne Shoppingcenter geht. Voraussetzung sei jedoch, dass sich Menschen (wie er) finden, die die Initiative in die Hand nehmen, um dringend erforderliche Um- und Neustrukturierungen vorzunehmen.
Er sei „Feind und Freund“ von Shoppingcentern zugleich: Während er Einkaufszentren wie die City-Arkaden grundsätzlich wegen ihrer Ordnung und Sauberkeit schätzt, warnt er vor möglichen negativen Konsequenzen, wie sie zum Beispiel in Oberhausen nach Eröffnung des CentrO eingetreten sind.
Sein Fazit: „Wenn Wuppertal sich ähnliches wie Viersen zutraut, kann auf die Erweiterung der City-Arkaden verzichtet werden.“ Andernfalls sieht er mit der Erweiterung des Centers die Möglichkeit, Wuppertal als Einzelhandelsstandort zu stärken.

Die Renaissance der Innenstadt
Der letzte Referent des Abends war Professor Klaus Schäfer, der seit 2005 an der Hochschule Bremen Städtebau lehrt. In Abgrenzung zu Dr. Tackenberg stellte er heraus, dass eine Stadt eben mehr ist, als nur ein Einzelhandelsstandort. Seine zentrale Frage: „Wie sieht die Stadt aus, in der wir leben wollen?“
In den heutigen City-Arkaden findet er alle typischen Klischees über innerstädtische Einkaufszentren wie mangelnde Verbindung mit der vorhanden Stadt, ein introvertiertes Sackgassen-System, die Privatisierung von öffentlichem Raum, leblose Außenfassaden und damit negative Ausstrahlung in die Nachbarräume, bereits wieder: „Die nun geplante Erweiterung würde eindeutig den Rahmen der Innenstadt von Elberfeld sprengen und zu einer unumkehrbaren Monostrukturierung führen.“
Anhand verschiedener positiver Beispiele von Seoul über Paris bis Hannover machte er deutlich, wie eine Stadt durch einen Paradigmenwechsel in der Stadtplanung bürger- und lebensfreundlicher gestaltet werden kann.
Die Alternative sieht Schäfer in einer Stadt der kurzen Wege mit identifizierbaren Maßstäben und eine Renaissance der Innenstadt. Seine Vision einer ‚Creative City‘ meint ein vielschichtiges Netzwerk meist junger Gesellschaftsschichten, die ein Milieu urbaner Qualität in der Verbindung aus Arbeiten und Wohnen in den Großstadtzentren anstreben. So fordert er vor dem Hintergrund der zahlreichen Besonderheiten der Stadt Wuppertal mit ihrer Einbettung in einen einmaligen Landschaftraum und einem Verkehrsmittel von Weltrang eine selbstbewusste Grundsatzdebatte über die zukünftige Gestaltung der Stadt. „Das Denken muss über den Erhalt des Status Quo hinausgehen und neue Perspektiven entwickeln!“ so Schäfer.

Zum guten Schluss
Trotz sehr unterschiedlicher Blickwinkel war die Antwort auf die Fragestellung „Ist die Erweiterung der City-Arkaden gut für Wuppertal?“ am gestrigen Abend eindeutig: Um die Stadt Wuppertal als bürgerfreundliches Oberzentrum und liebenswerte Stadt mit eigenem Charakter zu profilieren, gibt es sicher bessere Wege, als Einzelhandelsflächen zu erweitern.
Aus diesem Grund sind nun die (Noch-)Befürworter des Projektes aufgerufen, ihre Haltung ebenso sachlich und fundiert zu untermauern, wie es der Initiative Die Wuppertaler am gestrigen Abend gelungen ist. (Vielleicht findet sich eine tragfähige Argumentation für die City-Arkaden in den zukünftigen Stellungnahmen des Oberbürgermeisters, der am gestrigen Abend ebenso wie der Wuppertaler Baudezernent Frank Meyer vermisst wurde.)
Dass die Kritiker des Vorhabens für Gegenpositionen nach wie vor offen sind, machte Anke Schulz in ihrem Schlusswort deutlich: „Natürlich ist die Diskussion um die City-Arkaden-Erweiterung noch lange nicht beendet!“
Nach dem Ende der Veranstaltung, die bis immerhin 23.00 Uhr dauerte, fanden sich einige Zuschauer mit dem Ziel, sich aktiv für eine Entwicklung der Stadt Wuppertal im Sinne der Bürger zu engagieren und sich für Alternativen zur Erweiterung der City-Arkaden einzusetzen: Eine weitere Chance, dass unsere Stadt die Leitidee „Wuppertal – macht was anders“ tatsächlich umsetzt…

1 Siehe auch Artikel: Unterstützung von der Staatskanzlei?

Und das schreibt die WZ: „Die City-Arkaden und die Kaufkraft“