IHK-Podiums-Diskussion: Skeptiker bleiben in der Mehrheit

Bei der gestrigen Veranstaltung der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid diskutierten Prof. Dr. phil. Arnd Jenne (Handelsmanagement), Baudezernent Frank Meyer, Kaufhof-Geschäftsführer Jos Coenen und der Buchhändler Michael Kozinowski zum Thema „Zukünftige Entwicklungen am Einzelhandelsstandort Wuppertal“.

Viel Skepsis und wenig Neues von der Politik


Beginnen wir mit dem Ende: Nach der Diskussion beantwortete die deutliche Mehrheit der knapp 100 Gäste die Frage „Glauben Sie, dass die Erweiterung der City-Arkaden gut für Wuppertal ist?“ mit einem klaren „Nein“. So war es Baudezernent Frank Meyer offensichtlich nicht gelungen, die Zuhörer zu überzeugen. Wie auch? Außer der schon wiederholt zum Ausdruck gebrachten grundsätzlichen Freude über das Investoreninteresse und der Feststellung, dass es in Wuppertal die ein oder andere Handelskette nicht gibt (und hier die City-Arkaden vielleicht Abhilfe schaffen könnten), hatte er kaum Neues und vor allem keine schlagkräftigen Argumente zu bieten.

Impuls-Vortrag mit überraschenden Thesen

Gastredner und Teilnehmer der späteren Podiumsdiskussion, Prof. Arnd Jenne, hatte es Frank Meyer mit seinem „Impuls-Vortrag“ zu Beginn der Veranstaltung auch nicht leicht gemacht: Zwei Lieblingsargumente der Befürworter „Wir müssen die Zentralitätskennziffer erhöhen!“ und „Die Stadt Wuppertal muss ihre Position als Oberzentrum stärken!“ waren entkräftet, noch bevor das Gespräch begonnen hatte. „Eine Stadt ist einfach mehr als ein Einzelhandelsstandort!“ Mit dieser entwaffnenden These leitete Professor Jenne her, dass es bei der Diskussion um Standortentwicklung eben nicht allein um Shopping geht: Vielmehr seien Arbeitsplätze und attraktiver Wohnraum sowie Angebote in den Bereichen Bildung, Kultur und Freizeit weit wichtigere Faktoren für die Attraktivität einer Stadt und deren Wahrnehmung als Oberzentrum. Dass beispielsweise für eine junge Familie die Nähe und Verfügbarkeit einer Kita wichtiger ist als das Angebot einer hippen amerikanischen Modekette, leuchtet unmittelbar ein.

Eine ganzheitliche Sicht in der IHK?

Auf diese ganzheitliche Betrachtungsweise, die eine Reduzierung der Stadt auf den Aspekt „Einzelhandelsstandort“ nicht zulassen wollte, schienen weder Frank Meyer noch Moderator Michael Wenge wirklich vorbereitet zu sein. So führte die Moderation das Podium schnell wieder auf vertrautes Terrain, auf dem ganz kaufmännisch von Kennzahlen, Kaufkraft und den Zuwächsen der Einzelhandelsflächen gesprochen wurde. Schließlich war man ja bei der Handelskammer. Aber auch konzentriert auf den Fokus „Handel“ konnten die Befürworter nicht punkten.

Geschlossene Welt vs. Öffnung zur Innenstadt

Dass die aktuellen City-Arkaden eine in sich geschlossene Einkaufswelt bilden, die sich mehr von der eigentlichen Innenstadt abschottet, als sich ihr zu öffnen, bestritt auch Frank Meyer nicht. Auch nicht, dass eine solche Lösung in größerer Form kaum positive Impulse für die gewachsene Innenstadt bringen könne. Er war zwar optimistisch, dass man dies im Zuge der Erweiterung ändern könne und müsse – dabei blieb jedoch unklar, wie dies möglich sein sollte. So blieb auch die einzige denkbare Lösung, nämlich die erweiterten City-Arkaden durch mindestens eine zusätzliche Überbrückung der Morianstraße wenigstens formal mit der Innenstadt zu verknüpfen, an diesem Abend unausgesprochen.

„Marktführer wird man nicht durch Imitation!“ 


„In vielen Städten im Umfeld gibt es Marken und Handelsketten, die es hier in Wuppertal nicht gibt“, so Frank Meyer, „und daher brauchen wir Flächen, damit wir dieses Angebot auch in Wuppertal haben!“ Dieses letzte vordergründig starke Argument der Befürworter konterte Prof. Jenne mit einer leicht nachvollziehbaren Marketing-Regel: „Marktführer wird man nicht durch Imitation!“ Und: Immer „mehr desselben“ qualifiziere eine Stadt nicht als Oberzentrum. So wurde klar: Eine Positionierung Wuppertals als Oberzentrum mit eigenem Profil gibt es auch hier nicht mit einem Standard Shopping Center von der ECE-Stange.

Das erfreuliche Fazit an diesem Abend

Resümierend kann man sagen, dass die Auswahl des Gastredners Prof. Jenne ein Glücksgriff für eine facettenreichere Diskussion mit neuen Gesichtspunkten war und auch dem weitaus größeren Teil der Zuhörerschaft deutlich wurde: Die vermeintlich „große Lösung“ der Erweiterung der City-Arkaden ist keinesfalls der richtige Weg. Gefordert ist viel mehr eine kreative, neue Herangehensweise, bei der die Politik keine einsamen Entscheidungen an den Bürgern der Stadt vorbei trifft. Im Idealfall gibt die Diskussion um die Erweiterung der City-Arkaden jedoch wichtige Impulse, dass in Zukunft Politik, Einzelhandel und Bürger Wuppertals gemeinsam einen solchen Weg suchen.

Siehe auch den WZ-Artikel  „Diskussion: Muss die Stadt den Handel besser planen?“

Und gleich nochmal IHK: Hier meldete sich nach langer Zeit mal wieder OB Jung zu Wort – leider nach wie vor ohne jegliches Argument: zum WZ-Artikel…

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