Unterstützung von der Staatskanzlei?

Haimo Bullmann, engagierter Bürger Wuppertals und Vorsitzender des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz Regionalverband Wuppertal-Solingen-Remscheid, wendet sich an die Staatskanzlei des Landes NRW und die Regierungspräsidentin der Bezirksregierung Düsseldorf, Anne Lütkes. Er regt an, statt einer isolierten Betrachtungsweise der Städte Wuppertal, Solingen, Remscheid (und Velbert) die Entwicklung von Einzelhandelsflächen in der gesamten Region ganzheitlich zu beurteilen.

LogoDer Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz ist über die Entwicklung der Einzelhandelszentren stark beunruhigt und befürchtet eine Verödung und letztlich eine Zerstörung der Innenstädte – und zwar nicht nur in unserer Teilregion, sondern auch in den angrenzenden Städten.

Kaufkraftzuflüsse zu Lasten der Nachbarstädte werden angestrebt …

Nach der Einschätzung von Haimo Bullmann ergeben sich die Probleme dieser Entwicklung aus der isolierten Betrachtungsweise jeder Stadt für jedes Vorhaben. Insbesondere in Wuppertal und Remscheid fehlen gesamtstädtische Entwicklungskonzepte und die Prüfung der Vorhaben auf ihre langfristigen Auswirkungen. Eine kritische Betrachtung der regionalen Auswirkungen ist bei keiner Stadt erkennbar. Im Gegenteil: Kaufkraftzuflüsse zu Lasten der Nachbarstädte, aber auch zu Lasten der eigenen Zentren, werden bei Planungen von Einzelhandelszentren durchwegs positiv beurteilt und angestrebt. Jede Stadt versucht, ein Maximum an Kaufkraft durch neue großflächige Zentren an sich zu binden. Gewinner dieser Entwicklung sind große, international tätige Konzerne.

In seinem Schreiben kommt Bullmann zu folgendem Resümee:

Werden die geplanten Verkaufsflächen der genannten zentrenrelevanten Vorhaben zusammengezählt, ergibt sich in der Teilregion Wuppertal mit den Städten Wuppertal, Solingen, Remscheid und Velbert ein geplanter Zuwachs von rd. 120.000 qm Verkaufsfläche. Die genannten Städte werden in den nächsten 20 Jahren um  70.000 Einwohner schrumpfen, die Kaufkraft der Region wird auch aus anderen Gründen abnehmen.

Eine derartige Stadt- und Regionalentwicklung ist nach unserer Auffassung mit einer nachhaltigen städtebaulichen Entwicklung und mit den Zielen der Raumordnung nicht vereinbar.

Derzeit besteht der Eindruck, dass

  • jede Stadt versucht, ein Maximum an Kaufkraft durch neue großflächige Einzelhandelsbetriebe an sich zu binden,
  • jeder Investor von großflächigen Einzelhandelszentren in der Teilregion Wuppertal willkommen ist,
  • Investoren die Gestaltung und Entwicklung der Innenstädte bestimmen,
  • Kaufkraftzuflüsse aus den Nachbarstädten positiv beurteilt werden und
  • die Solidarität der bergischen Großstädte (Wuppertal, Solingen, Remscheid) in Bezug auf den großflächigen Einzelhandel aufgehoben ist.

Wir regen an, dass die Landesregierung diese Problematik aufgreift, mit dem Ziel, unerwünschte Entwicklungen zu verhindern. Ein denkbarer Weg  könnten regionale Einzelhandelskonzepte sein, sofern diese verbindlich sind und deren Erarbeitung vorgeschrieben wird. Auch eine Abstimmung auf der Ebene der Regionalplanung wäre sinnvoll.

Fakten, Fakten, Fakten:
Mit einer detaillierten Beschreibung der Entwicklung der Einzelhandelsflächen in der Region und der rückläufigen Bevölkerungszahlen untermauert Haimo Bullmann seine Zweifel an den geplanten Vorhaben im Umfeld Wuppertals.
Lesen Sie hier den vollständigen Brief an die Staatskanzlei:
Download: An die Staatskanzlei NRW (PDF)

Wir würden uns freuen, wenn Haimo Bullmann beim Land NRW Gehör finden würde…

Advertisements

Info-Abend am 6. Juni 2013 in der alten lutherischen Kirche am Kolk

Unter dem Titel „Ist die Erweiterung der City-Arkaden gut für Wuppertal?“
veranstaltet die Initiative Die Wuppertaler einen Informations- und Diskussionsabend mit renommierten Referenten:

Infoflyer_TitelDonnerstag, den 6. Juni 2013
Beginn: 19:00 Uhr

Alte lutherische Kirche am Kolk
Morianstraße 20
42103 Wuppertal

Es sprechen:
Dipl.-Oec. Monika Walther, Hamburg
Rechtsanwalt Wilhelm Achelpöhler, Münster
Centermanager Winfried Tackenberg, Viersen
Prof. Klaus Schäfer, Hochschule Bremen, Lehrgebiet Städtebau

Sie sind ganz herzlich eingeladen: Wir freuen uns über Ihr Kommen und Ihre Diskussionsbeiträge!

Hier können Sie den Einladungsflyer als
PDF downloaden

IHK-Podiums-Diskussion: Skeptiker bleiben in der Mehrheit

Bei der gestrigen Veranstaltung der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid diskutierten Prof. Dr. phil. Arnd Jenne (Handelsmanagement), Baudezernent Frank Meyer, Kaufhof-Geschäftsführer Jos Coenen und der Buchhändler Michael Kozinowski zum Thema „Zukünftige Entwicklungen am Einzelhandelsstandort Wuppertal“.

Viel Skepsis und wenig Neues von der Politik


Beginnen wir mit dem Ende: Nach der Diskussion beantwortete die deutliche Mehrheit der knapp 100 Gäste die Frage „Glauben Sie, dass die Erweiterung der City-Arkaden gut für Wuppertal ist?“ mit einem klaren „Nein“. So war es Baudezernent Frank Meyer offensichtlich nicht gelungen, die Zuhörer zu überzeugen. Wie auch? Außer der schon wiederholt zum Ausdruck gebrachten grundsätzlichen Freude über das Investoreninteresse und der Feststellung, dass es in Wuppertal die ein oder andere Handelskette nicht gibt (und hier die City-Arkaden vielleicht Abhilfe schaffen könnten), hatte er kaum Neues und vor allem keine schlagkräftigen Argumente zu bieten.

Impuls-Vortrag mit überraschenden Thesen

Gastredner und Teilnehmer der späteren Podiumsdiskussion, Prof. Arnd Jenne, hatte es Frank Meyer mit seinem „Impuls-Vortrag“ zu Beginn der Veranstaltung auch nicht leicht gemacht: Zwei Lieblingsargumente der Befürworter „Wir müssen die Zentralitätskennziffer erhöhen!“ und „Die Stadt Wuppertal muss ihre Position als Oberzentrum stärken!“ waren entkräftet, noch bevor das Gespräch begonnen hatte. „Eine Stadt ist einfach mehr als ein Einzelhandelsstandort!“ Mit dieser entwaffnenden These leitete Professor Jenne her, dass es bei der Diskussion um Standortentwicklung eben nicht allein um Shopping geht: Vielmehr seien Arbeitsplätze und attraktiver Wohnraum sowie Angebote in den Bereichen Bildung, Kultur und Freizeit weit wichtigere Faktoren für die Attraktivität einer Stadt und deren Wahrnehmung als Oberzentrum. Dass beispielsweise für eine junge Familie die Nähe und Verfügbarkeit einer Kita wichtiger ist als das Angebot einer hippen amerikanischen Modekette, leuchtet unmittelbar ein.

Eine ganzheitliche Sicht in der IHK?

Auf diese ganzheitliche Betrachtungsweise, die eine Reduzierung der Stadt auf den Aspekt „Einzelhandelsstandort“ nicht zulassen wollte, schienen weder Frank Meyer noch Moderator Michael Wenge wirklich vorbereitet zu sein. So führte die Moderation das Podium schnell wieder auf vertrautes Terrain, auf dem ganz kaufmännisch von Kennzahlen, Kaufkraft und den Zuwächsen der Einzelhandelsflächen gesprochen wurde. Schließlich war man ja bei der Handelskammer. Aber auch konzentriert auf den Fokus „Handel“ konnten die Befürworter nicht punkten.

Geschlossene Welt vs. Öffnung zur Innenstadt

Dass die aktuellen City-Arkaden eine in sich geschlossene Einkaufswelt bilden, die sich mehr von der eigentlichen Innenstadt abschottet, als sich ihr zu öffnen, bestritt auch Frank Meyer nicht. Auch nicht, dass eine solche Lösung in größerer Form kaum positive Impulse für die gewachsene Innenstadt bringen könne. Er war zwar optimistisch, dass man dies im Zuge der Erweiterung ändern könne und müsse – dabei blieb jedoch unklar, wie dies möglich sein sollte. So blieb auch die einzige denkbare Lösung, nämlich die erweiterten City-Arkaden durch mindestens eine zusätzliche Überbrückung der Morianstraße wenigstens formal mit der Innenstadt zu verknüpfen, an diesem Abend unausgesprochen.

„Marktführer wird man nicht durch Imitation!“ 


„In vielen Städten im Umfeld gibt es Marken und Handelsketten, die es hier in Wuppertal nicht gibt“, so Frank Meyer, „und daher brauchen wir Flächen, damit wir dieses Angebot auch in Wuppertal haben!“ Dieses letzte vordergründig starke Argument der Befürworter konterte Prof. Jenne mit einer leicht nachvollziehbaren Marketing-Regel: „Marktführer wird man nicht durch Imitation!“ Und: Immer „mehr desselben“ qualifiziere eine Stadt nicht als Oberzentrum. So wurde klar: Eine Positionierung Wuppertals als Oberzentrum mit eigenem Profil gibt es auch hier nicht mit einem Standard Shopping Center von der ECE-Stange.

Das erfreuliche Fazit an diesem Abend

Resümierend kann man sagen, dass die Auswahl des Gastredners Prof. Jenne ein Glücksgriff für eine facettenreichere Diskussion mit neuen Gesichtspunkten war und auch dem weitaus größeren Teil der Zuhörerschaft deutlich wurde: Die vermeintlich „große Lösung“ der Erweiterung der City-Arkaden ist keinesfalls der richtige Weg. Gefordert ist viel mehr eine kreative, neue Herangehensweise, bei der die Politik keine einsamen Entscheidungen an den Bürgern der Stadt vorbei trifft. Im Idealfall gibt die Diskussion um die Erweiterung der City-Arkaden jedoch wichtige Impulse, dass in Zukunft Politik, Einzelhandel und Bürger Wuppertals gemeinsam einen solchen Weg suchen.

Siehe auch den WZ-Artikel  „Diskussion: Muss die Stadt den Handel besser planen?“

Und gleich nochmal IHK: Hier meldete sich nach langer Zeit mal wieder OB Jung zu Wort – leider nach wie vor ohne jegliches Argument: zum WZ-Artikel…

Woher kommen die Kunden für die schönen, neuen City-Arkaden?

Umfeld„Ja, aus dem Umfeld natürlich!“
Insgesamt 777.000 Menschen zählt der Projektentwickler ECE – und von diesen Käuferströmen werde ganz Wuppertal und auch der bestehende Einzelhandel profitieren.
„Der Investor ist da!“ jubeln einige Lokalpolitiker und sind empört, wenn manche Kritiker den schönen Versprechen nicht glauben wollen.
Ja, woher kommen die Kunden? Wir haben einfach mal genauer hingeschaut. Sehen Sie hier!

Kultur statt Konsum: Procol Harum in der Stadthalle

Gary_Brooker

Gary Brooker nach seinem Auftritt am 6. April 2013 in der Stadthalle Wuppertal

Wuppertal darf sich auf die Schulter klopfen: Die legendäre Rockband Procol Harum spielte nicht in Oberhausen oder Dortmund oder Essen oder Düsseldorf oder Köln, sondern in der historischen Stadthalle von Wuppertal.
Doch nicht nur diese einzigartigen Auftritte mit dem Sinfonie-Orchester Wuppertal, der Kantorei Barmen-Gemarke und Tänzern des Ensembles Pina Bausch unterstreichen das Besondere von Wuppertal: Ob Schwebebahn, Pina Bausch oder die vielen spannenden Menschen, die hier leben und sich engagieren – wie zum Beispiel der Initiator des Gastspiels und Gründer des einzigen Procol Harum-Fanclubs, Michael Ackermann – besser kann eine Stadt kaum Individualität und Charakter zeigen und sich als Oberzentrum empfehlen! Auch Wolfgang Niedecken kam aus Köln angereist …
Und so fragen wir uns: Haben wir es wirklich nötig, unsere Innenstadt an einen Investor zu verkaufen und mit einem 08/15-Shopping-Center zubauen zu lassen? Das haben wir auch Gary Brooker gefragt  und es wurde klar: Zu große Shopping Center sind nicht nur ein Problem in Deutschland!
Sehen Sie selbst!

Größere Shopping-Center – die Lösung für die Kunden von morgen?

Meinungen_2Vielleicht gehören viele Kritiker der Erweiterung der City-Arkaden einfach nicht mehr der Generation an, die für  zukunftsweisende Entscheidungen relevant ist. Könnte ja sein.
Und möglicherweise wollen kaufkräftige Kunden von morgen etwas ganz anderes, als die Kunden von heute. Oder die von gestern.
Aus diesem Grund haben wir mal nachgefragt.
Hier die Antworten…

Ausgestorben. Zu groß.

Karte

© By Swoolverton
Die Ansicht der South China Mall in Dongguan. Ein schöner, vielversprechender Plan aus dem Jahr 2005 …

SouthChinaMall_empty

© By Swoolverton
… und so sieht die Realität im Jahr 2013 aus:
Ein Leerstand von 99%. Fachleute nennen leerstehende Ladenlokale übrigens „Ghostbox“.

Die verdoppelten City-Arkaden sollen wieder mehr Menschen nach Wuppertal bringen und die Bedeutung der Stadt als Oberzentrum untermauern. Dies sagen der Investor – und die hiesige Lokalpolitik. Wie wäre es denn, wenn es die neuen City-Arkaden dann auch in internationale Reiseführer schaffen und den Tourismus in Wuppertal beflügeln würden?
Der South China Mall in Dongguan ist dies zum Beispiel gelungen:
Die Autorin Catherine Price platziert die im Jahr 2005 errichtete chinesische Mall in ihrem Reiseführer als Nr. 63 unter den Top 100 der weltweiten Attraktionen.
Blöd nur, dass ihr Werk den Titel „Die fiesesten Reiseziele der Welt“ trägt …

Darum geht’s:
Die von den Planern als größtes Shopping Center der Welt gefeierte South China Mall darf einen Superlativ wirklich für sich in Anspruch nehmen: Laut Wikipedia kann sie eine Leerstandsquote von 99 % für sich verbuchen. Weiter heißt es dort ganz lapidar: „Demzufolge kann das Einkaufszentrum der Kategorie der „Dead Mall“ zugeordnet werden.“
Weitere Infos finden Sie hier.

Das Schicksal der Dinosaurier könnte zu denken geben: Auch wenn die Evolution ein Prozess stetigen Wachstums ist, bedeutet „immer größer“ nicht zwangsläufig auch „immer besser“ bzw. „immer überlebensfähiger“.

„Aber die South China Mall kann man doch nicht mit den City-Arkaden vergleichen!“
Mit dem klassischen Dreisatz geht das schon. Die South China Mall hat eine Verkaufsfläche von 660.000 qm. Legt man die Einwohnerzahl von Dongguan (8,2 Mio.) zugrunde, entfallen auf jeden Einwohner Dongguans 0,08 qm Verkaufsfläche in der South China Mall.
Diese Zahl übertragen wir nun auf die Einwohnerzahl von Wuppertal (ca. 350.000):
0,08 qm x 350.000 = 28.000 qm
Dies bedeutet: In Wuppertal müsste man bereits bei einem Einkaufszentrum mit einer Verkaufsfläche von 28.000 qm von einer Mega-Mall sprechen, die – relativ zur Einwohnerzahl Wuppertals –der Größe der South China Mall entspricht.
Tatsächlich sollen die neuen City-Arkaden eine Fläche von ca. 50.000 qm umfassen…
Doch die South China Mall ist nur ein Beispiel von vielen. Auch in den USA hat bereits ein weitreichendes Mall-Sterben begonnen. In der Konsequenz ist laut Spiegel in den USA seit 2006 ist kein herkömmliches überdachtes Einkaufszentrum mehr gebaut worden.
Dazu mehr in einem späteren Artikel …