„Wenig neue Arbeitsplätze und ruinierte Existenzen“

Die folgende Zuschrift hat uns sehr beeindruckt und bedarf keines Kommentars:

„Hallo Frau Schulz,
 
natürlich habe ich Ihre Aktivitäten bzgl. der Erweiterung der City-Arkaden wahrgenommen.
 
Ich als geborener Wuppertaler, dessen Großeltern und Eltern sich noch die Zeit genommen haben, um mit mir z.B. um die lauschigen Häuserecken auf dem Ölberg gezogen sind und mir erklärt haben, warum dieser Berg Ölberg heißt und mir erzählten, wie früher die Nachtwächter die Straßenlaternen entzündeten und löschten und wie beschaulich doch alles einmal war, habe ganz besonders Probleme mit Veränderungen dieser Art.
 
Vieles, was ich noch kennengelernt habe, gibt es heute schon lange nicht mehr. Neben Bergbahn, Straßenbahn und vielen anderen Einrichtungen (Kultur, Sport u. Freizeit), ging es auch im Laufe der Jahre der City Elberfeld speziell dem Einzelhandel mächtig an den Kragen.
 
Sicherlich bringen Innovation und Veränderung auch neue Herausforderungen und neue Wachstumsmärkte. Nur halten diese Veränderungen tatsächlich immer das, was versprochen wird? Mitnichten.
 
Es kamen die Discounter und der individuelle Einzelhandel verschwand und mit ihm viele eigenständigen Existenzen und vor allem der Wettbewerb.
 
Multis töten in jeder Beziehung Individualität, Vielfalt, Wettbewerb, Eigenständigkeit, Kreativität und Persönlichkeit.
 
Machen wir es kurz: Heute kauft man beim Discounter, wird unpersönlich behandelt, wird schlecht beraten von Arbeitskräften, die videoüberwacht zu Dumpinglöhnen eingestellt sind und noch staatliche Aufstockungsbeträge erhalten, bekommen nur ein ausgesuchtes Warenangebot vorgelegt, deren Preise bereits abgesprochen sind, sollen konsumieren und ansonsten den Mund halten. Als erstes bleiben die älteren Menschen auf der Strecke, die die großen Discounter wegen diverser Gebrechen gar nicht erst erreichen, denn so ist der Lebensmitteleinzelhandel in den Wohngebieten den Multis zum Opfer gefallen.

Weniger Dienstleister, Handwerker, Zulieferer
 
Und es hat nur wenig neue Arbeitsplätze gebracht im Vergleich gegenübergestellt den vielen Privatinsolvenzen und ruinierten Existenzen. Und das ist eine Kettenreaktion, es bedeutet nämlich gleichzeitig auch weniger Dienstleister, Handwerker, Zulieferer.
 
Ich bin auf jeden Fall gegen den Ausbau der City-Arkaden. Ich war schon gegen den Bau der Rathaus-Galerie und später auch gegen den Bau der City-Arkaden. Und was ist denn genau passiert? Mengenweise Kneipen, Einzelhändler, etc. mussten für die Galerie weichen. Es kamen zunächst ein paar neue Geschäfte. Das ist richtig. Aber was ist das Problem? Das Problem ist die Abhängigkeit, in die sie sich gegeben haben. Es wurden ihnen ganz schnell Öffnungszeiten, Mieten sowie Teilnahme an Kostenbeiträgen einfach auferlegt und kontinuierlich erhöht.
 
Und irgendwann kann man es nicht mehr bezahlen. Und so blutet das Galeriemanagement langsam die angeschlossenen Einzelhändler aus, natürlich nicht bevor sie an denen noch richtig verdient haben. Die Geschäftsleute selber sind ganz arme Fische, ohne viel Selbstbestimmung. Es ist das klassische Pachtgeschäft. Ist der erste Tempel ausgeblutet, wird sogleich der nächste gebaut, usw. usw. Dann fing man nämlich mit den City-Arkaden an. Eigentlich hat das noch viel früher angefangen und zwar mit einer Passage am Islandufer. Das war außer einem Teppichgeschäft und einem orientalischen Restaurant von Anfang an eine Fehlplanung.
Schaut man sich den Rest der City an, besteht der Einzelhandel doch nur noch aus 1-EUR-Läden, Kik oder Handyshops.“

Wenig neue Arbeitsplätze und ruinierte Existenzen (Download PDF)

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